Ein Gedenktag fand in Hinterbrühl statt
Eine symbolische Prozession auf dem Gelände des Konzentrationslagers Mauthausen wurde von der örtlichen Gemeinde organisiert. Mitarbeiter des Russischen Kulturinstituts sowie der Vereine „Rodina“ und Pamjat nahmen daran teil.
Das Außenlager Hinterbrühl war Teil des KZ-Komplexes Floridsdorf (Außenlager des KZ Mauthausen).
Das in den 1930er Jahren geflutete Gipswerk wurde am 1. Mai 1944 von den Nazis enteignet. Das Grubenwasser wurde abgepumpt, und in der Grotte wurden Maschinen und Anlagen installiert. Durch Zwangsarbeit von Häftlingen wurden Rümpfe für das Düsenjagdflugzeug Ne 162, die V2-Rakete und Bauteile für das Nachtjagdflugzeug Ne 216 hergestellt.
Das Lager selbst befand sich in der heutigen Johannesstraße, wo sich heute eine kleine Gedenkstätte befindet, die am 7. April zum Schauplatz einer Gedenkveranstaltung wurde. Im Jahr 2019 wurde dort eine Gedenktafel mit den Namen der getöteten Häftlinge, darunter auch sowjetische Staatsbürger, angebracht.
Über die Häftlinge des Außenlagers Hinterbrühl liegen nur wenige Informationen vor. Es ist bekannt, dass die meisten von ihnen aus Polen, der Sowjetunion und Italien kamen. Auch die Angaben über die Höchstzahl der Häftlinge in Hinterbrühl variieren. Historiker gehen davon aus, dass bis zu 3.500 Häftlinge zur Arbeit gezwungen wurden. Auch die Zahl der Todesfälle im Lager ist nicht exakt, da die Häftlinge formal im Außenlager Floridsdorf registriert wurden.
Als sich die sowjetischen Streitkräfte Wien näherten, wurden Häftlinge aus den KZ Floridsdorf oder Schwechat Heidfeld kurzzeitig nach Hinterühl verlegt. Am 1. April 1945 begann der Todesmarsch: 1.884 Häftlinge wurden zu Fuß nach KZ Mauthausen geschickt. Mehr als 150 Kilometer mussten zu Fuß zurückgelegt werden. Nur 1.624 erreichten das Stammlager.
Der italienische Häftling Marcello Martini, der im Alter von 14 Jahren nach Hinterbrühl gebracht wurde, war einer der glücklichen Überlebenden. Er schrieb später: "Es war furchtbar kalt. Kein Essen, keine Kleidung, die uns vor dem Regen schützt. Nur Holzschuhe. Diejenigen, die das Tempo nicht aushielten, wurden erschossen und am Straßenrand begraben. Auf dem Weg nach Mauthausen wurden 150 Häftlinge ermordet".
Marcello Martini lebte ein langes Leben. Er starb am 14. August 2019 im 90. Lebensjahr. Er vermachte einen Teil seiner Asche dem Erdboden in Hinterbrühl, was auch 2020 gemacht wurde.
In der Osternacht, kurz vor dem Abtransport nach Mauthausen, ermordeten die Wachmannschaften 52 marschunfähige Häftlinge vom Hinterbühl. Die Häftlinge starben einen grausamen Tod. Der Lagerarzt weigerte sich, den Massenmord auszuführen. Die Exekution wurde von dem Pfleger Karl Sasko und dem Polizeihauptmann Georg Gossl durchgeführt. Die Mörder, die keine medizinischen Kenntnisse hatten, spritzten den Häftlingen Benzin in Herz und Lunge. Die Opfer waren zu schrecklichen Qualen verurteilt. Eine "stille Lösung" des Problems ergab sich nicht. Gossl erwürgte die Sterbenden. Sie wurden in einem Massengrab auf dem Lagergelände verscharrt. In den Nachkriegsjahren wurden die sterblichen Überreste der Toten aus Hinterbrühl auf den Wiener Zentralfriedhof überführt.
Rund vierzig Personen nahmen am 7. April an der Gedenkveranstaltung auf dem Gelände des Konzentrationslagers teil. Die Organisatoren der Veranstaltung sprachen über die Schicksale der Toten und Überlebenden und die Gräueltaten der Nazis in Hinterbrühl.
Der nächste Gedenktag in Hinterbrühl findet an Allerheiligen, 1. November 2023, statt.

Tel.: 01 / 505 18 29


















