Russische Föderation

Hauptstadt
Hauptstadt Russlands ist Moskau, dessen Bevölkerungszahl 10,4 Millionen beträgt.
Die anderen größten Städte sind: Sankt Petersburg (4,7 Millionen Einwohner), Nowosibirsk (1,43 Millionen), Nischni Nowgorod (1,36 Millionen), Jekaterinburg (1,27 Millionen), Samara (1,17 Millionen). Auch Omsk, Tscheljabinsk, Kasan, Perm, Ufa, Rostow am Don und Wolgograd sind Millionenstädte.
 
Administrative Teilung
Russland besteht aus 21 Teilrepubliken, 6 Regionen, 49 Gebieten, 1 Autonomen Gebiet, 10 Autonomen Bezirken und 2 Städten von föderaler Bedeutung (seit dem 1. Januar 2005 werden 7 Regionen, 48 Gebiete und 9 Autonome Bezirke gezählt).
Die Zahl der Bevölkerung in Russland beträgt laut der Volkszählung von 2002 rund 145,2 Millionen. 106,4 Millionen davon oder 73 Prozent sind Stadteinwohner. 38,8 Millionen (27 Prozent) leben auf dem Lande. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt rund 9 Millionen pro Quadratkilometer, doch je nach der Region schwankt sie wesentlich. So beträgt die durchschnittliche Bevölkerungsdichte im Europäischen Teil Russlands ca. 25 Menschen pro Quadratkilometer, während in einigen nördlichen Regionen weniger als ein Mann pro zwei Quadratkilometer gezählt wird.
Die Zahl von Bürgern der Russischen Föderation beträgt 142,5 Millionen. 1 Million Menschen sind Bürger von anderen Staaten, und 0,4 Millionen sind staatenlos. 40 000 von der Gesamtzahl der Bevölkerung haben eine doppelte Bürgerschaft.
Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt in Russland bei Männern 63 Jahre, bei Frauen – 74 Jahre. Die Geburtenrate liegt bei 17,5, die Sterberate - bei 11 pro 1000 Einwohner.
 
Ethnische Zusammensetzung
In Russland leben über 160 Nationalitäten. Die zahlenmäßig größten davon sind Russen (82 Prozent), Tataren (3,8 Prozent), Ukrainer (3 Prozent), Weißrussen (1,2 Prozent) gefolgt von Tschetschenen, Baschkiren und Armenier. Zahlenmäßig groß sind auch solche Völker wie die Mari, Karelen, Mordwinen, Chanty und Mansen sowie Udmurten, Tschuwaschen und andere.
 
Konfessionen
Die am Meisten verbreitete Religion in Russland ist der christlich-orthodoxe Glaube. Auch andere Richtungen des Christentums sowie der Islam, Judaismus und Buddhismus sind vertreten. Der letztere ist vorrangig in Tuwa, Burjatien und Kalmykien verbreitet.
 
Staatsordnung – föderative Republik
Staatsoberhaupt – Präsident Wladimir Putin
Regierungschef – Ministerpräsident Dmitrij Medwedew
 
Russland ist Mitglied folgender internationalen Organisationen: UNO, ILO, IWF, UNESCO, WHO, Europarat, GUS und vielen andren.
 
Territorium und Grenzen
Die Russische Föderation nimmt ein Achtel des Festlandes der Erde ein. Sie liegt zugleich auf zwei Erdteilen - in Europa (Osteuropa) und Asien (Nordasien).
Dem Territorium nach ist Russland das größte Land der Welt: 17 075 400 Quadratkilometer, ihm folgen Kanada, China, die USA, Brasilien und Australien.
45 Prozent des Territoriums des Landes nehmen Wälder, 4 Prozent Gewässer, 13 Prozent landwirtschaftlich genutzte Flächen, 19 Prozent Rentierweiden und 19 Prozent sonstige Ländereien ein.
Im Norden wird das russische Territorium von den Meeren des Nördlichen Eismeeres, im Osten von den Meeren des Stillen Ozeans, im Westen von der Ostsee und im Süden vom Schwarzen und vom Asowschen Meer umspült.
Die Ausdehnung Russlands von Nord nach Süd beträgt 2 500 bis 4 000 km und von West nach Ost 9 000 km. Der westlichste Punkt liegt an der Grenze zu Polen im Gebiet Kaliningrad, der östlichste - auf der Ratmanow-Insel in der Beringstraße, der südlichste an der Grenze zu Aserbaidschan und der nördlichste - auf dem Archipel Franz-Joseph-Land.
Die größten Inseln befinden sich im Nördlichen Eismeer: Archipel Nowaja Semlja zwischen der Barents- und der Karasee. Fläche - 82 600 Quadratkilometer; Sachalin zwischen dem Ochotskischen und dem Japanischen Meer - 76 400 Quadratkilometer; Nowosibirsker Archipel zwischen der Laptewsee und dem Ostsibirischen Meer - 38 000 Quadratkilometer,Die Gesamtlänge der Grenze der Russischen Föderation übersteigt die Länge des Äquators auf fast das Anderthalbfache. Insgesamt 58 562 km, davon Landgrenze - 14 253 km, Wassergrenze - 44 309 km. Auf dem Festland grenzt Russland an Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Weißrussland, die Ukraine, Georgien, Aserbaidschan, Kasachstan, China, die Mongolei und Nordkorea.
Den Großteil des europäischen Russland nimmt das Osteuropäische oder Russische Tiefland ein. Im Süden liegen die nördlichen Abhänge des Kaukasus und im Nordwesten die Chibinen.
Der Ural dient als natürliche Grenze zwischen dem europäischen und dem asiatischen Teil des Landes. Östlich vom Ural liegt das Westsibirische Tiefland, das im Südosten vom Altai begrenzt ist. Im Gebiet zwischen Jenissej und Lena liegt das Mittelsibirische Hochland, an das im Süden der Sajan und im Gebiet zwischen Lena und Pazifik die Gebirgsrücken und Hochebenen des nordöstlichen Asien anschließen.
Der höchste Punkt Russlands ist der Elbrus im Kaukasus - 5 642 m.
Auf der Halbinsel Kamtschatka (Ferner Osten) gibt es über 160 Vulkane, unter ihnen Kljutschewskaja Sopka (4 750 m), der größte tätige Vulkan Eurasiens.
Russland hat 120 000 Flüsse mit einer Länge von jeweils über 10 km und etwa 2 Millionen Süßwasser- und Salzseen.Die Gesamtlänge der Flüsse beträgt 3 Mio. km, und der Gesamtumfang ihres Abflusses macht zirka 4 000 Kubikkilometer im Jahr aus. Der russische Fluss mit dem größten Einzugsgebiet ist der Ob - 2,99 Mio. Quadratkilometer.
Der wasserreichste Fluss ist der Jenissej. Er trägt im Durchschnitt ungefähr 550 Kubikkilometer Wasser jährlich ins Meer.
Der längste Fluss (ohne Nebenflüsse) ist die Lena: 4 400 km.
All diese Flüsse befinden sich in Sibirien und münden in die Meere des Nördlichen Eismeeres.
Der größte Fluss des europäischen Teils Russlands ist die Wolga, die in die Kaspisee mündet. Sie ist 3 690 km lang. Nach dem Umfang der Personen- und Güterbeförderung nimmt die Wolga unter den Flüssen des Landes den ersten Platz ein.Der größte See nicht nur in Russland, sondern auch in der ganzen Welt ist die Kaspisee (an ihrer Küste liegen auch Aserbaidschan, Kasachstan, Turkmenien und Iran). Die Fläche der Kaspisee beträgt 395 000 Quadratkilometer.
In Ostsibirien liegt der Baikalsee, der tiefste See unseres Planeten. Seine maximale Tiefe beträgt 1 620 m. Er nimmt eine Fläche von 31 500 Quadratkilometern ein. Der Baikalsee ist auch, der weltgrößte Süßwasserspeicher (23 000 Kubikkilometer).
Andere große Seen liegen im Nordwesten des europäischen Teils des Landes: Ladogasee, Fläche - 18 100 Quadratkilometer und Onegasee - 9 700 Quadratkilometer.
Die wichtigsten Stauseen Russlands, die eine Spiegelfläche von über 5 000 Quadratkilometern haben, sind Kuibyschewskoje an der Wolga und Bratskoje an der Angara in Ostsibirien.
Der Hauptteil Russlands liegt im gemäßigten Gürtel. Die Inseln des Nördlichen Eismeeres und die Festlandgebiete im Hohen Norden gehören zum arktischen und subarktischen Gürtel, und ein kleinerer Abschnitt der Schwarzmeerküste Kaukasiens zum subtropischen Gürtel. Umfassend vertreten sind auch andere Naturzonen: Tundrazone, Waldtundrazone, Waldzone, Waldsteppenzone, Steppenzone und Halbwüstenzone.
Entsprechend ändert sich auch das Klima vom Seeklima ganz im Nordwesten bis hin zum extrem kontinentalen in Sibirien und zum Monsunklima im Fernen Osten. Die durchschnittliche Januar-Temperatur - von -1 bis -50 Grad Celsius und die durchschnittliche Juli-Temperatur -von +1 bis +25 Grad Celsius. Im Jahr fallen 100 bis 1 000 mm Niederschläge.In vielen Gebieten Sibiriens und des Fernen Ostens gibt es den Dauerfrostboden. Aber während das Thermometer in Werchojansk, auf dem Kältepol in Jakutien, minus siebzig zeigen kann, werden die Palmen im südlichen Kurort Sotschi wie immer grünen...
In Moskau, das in der Zone des gemäßigten Kontinentalklimas liegt, beträgt die durchschnittliche Januar-Temperatur -10,2 Grad Celsius und die Juli-Temperatur + 18,1 Grad Celsius. Gewöhnlich fallen 540 bis 650 mm Niederschläge im Jahr. Eine geschlossene Schneedecke liegt im Durchschnitt vom 26. November bis zum 11. April, und die anhaltenden Fröste dauern vom 24. November bis zum 10. März an.
Russland hat hauptsächlich Podsolrasenböden. Aber es gibt auch Schwarzerdeböden, die in den Steppen des Südens und des Südostens des europäischen Teils und .des Westsibirischen Tieflandes besonders reich sind. Es gibt Kastanienböden unterschiedlicher Schattierungen, Braunerdeböden und Salzböden.
 
Seiten der Geschichte Russlands
Die Wiege der russischen Nation war die Kiewer Rus, ein Staat, der in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts im Ergebnis der Vereinigung ostslawischer Stämme, die am Mittellauf des Dnepr lebten, entstand. In ihm bildete sich eine einheitliche altrussische Völkerschaft heraus, auf deren Grundlage sich in der Folgezeit das russische, das ukrainische und das weißrussische Volk formierten.
Seit Ende des 9. Jahrhunderts herrschte in der Rus die Dynastie der Rurikiden, deren Stammvater einer Überlieferung zufolge der Warägerkönig Rurik gewesen war. Zusammen mit seinen Brüdern Sineus und Truwor wurde ihm von den Slawen angeboten, sie als Fürst zu regieren. Daher auch der Name Rus, wie eine Chronik zu berichten weiß: "Jene Waräger nannten sich Rus, ebenso wie andere Swei und wieder andere Normannen und Goten hießen."
Das russische Land erstreckte sich über riesige Weiten von den linken Nebenflüssen der Weichsel bis zu den Vorläufern des Kaukasus, von Taman und dem Unterlauf der Donau bis zur Küste des Finnischen Meerbusens und des Ladogasees. Von großer historischer Bedeutung war die Christianisierung der Rus 988 durch den Fürsten Wladimir Swjatoslawitsch.
Altrussland dehnte sich aus und erstarkte im Kampf gegen Byzanz, die Waräger und die Nomadenstämme aus den Schwarzmeersteppen. Seine höchste Blüte erreichte es in der Regierungszeit des Fürsten Jaroslaw des Weisen (1019- 1054), der das erste Gesetzbuch, die "Russkaja Prawda", zusammengestellt hatte. In dieser Zeit wurde der Kiewer Staat zu einem der größten und kulturell am weitesten entwickelten im mittelalterlichen Europa. Die zunehmende politische und wirtschaftliche Selbstständigkeit der Städte und die Widersprüche zwischen den feudalen Herrschern riefen jedoch Entfremdung und Zwietracht hervor und führten 1132 zu seinem Zerfall.
Die größten Staaten, die sich nach dem Niedergang von Kiew abgesondert hatten, waren die Fürstentümer Wladimir-Susdal und Halitsch-Wolynien sowie die sogenannte Nowgoroder Republik.
Seitdem 13. Jahrhundert erlebten die russischen Lande den Einfall der Horden von Tschinggis-Chan und seiner Nachfolger, die die Städte zerstörten und den Fürsten einen Tribut auferlegten. Die schwere Mongolenherrschaft dauerte zweieinhalb Jahrhunderte.
Die deutschen Feudalherren nutzten die Schwächung Russlands aus und eroberten im 13. Jahrhundert das Baltikum. Auch die Schweden stießen nach dem Osten vor, wurden aber 1240 vom Fürsten Alexander Jaroslawitsch in der Schlacht an der Newa zum Stehen gebracht, der für diesen Sieg den Beinamen Newski erhielt. 1242 schlug Alexander Newski auf dem Eis der Peipussees die Ritter des Deutschen Ordens vernichtend. Seit dem 14. Jahrhundert gewann in der Rus das Moskauer Fürstentum an Bedeutung, das als Zentrum des "Sammeins der russischen Lande" fungierte. Die politischen Erfolge des Fürsten Iwan Kaiita bei der Erlangung der Unabhängigkeit von der Horde wurden durch den militärischen Sieg seines Enkels, des Fürsten Dmitri Donskoi, über den Chan Mamai 1380 auf dem Kulikowo-Feld verfestigt. Endgültig wurde das mongolische Joch 1480 abgeschüttelt.
Ab Mitte des 15. Jahrhunderts begann sich rund um Moskau ein zentralisierter Staat herauszubilden, dem die größten russischen Städte und später auch die Völker des Wolga- und des Uralgebiets sowie Sibiriens angehörten. Der Moskauer Herrscher Iwan III. erklärte sich zum Nachfolger der byzantinischen Kaiser und Moskau zur Hauptstadt des gesamten orthodoxen Christentums, zum "dritten Rom". Sein Enkel Iwan IV, der Schreckliche (er regierte von 1547 bis 1584), der Großfürst, der als erster den Titel eines Zaren erhalten hatte, entfesselte im Lande einen grausamen Terror, legte damit den Grundstein zur russischen Selbstherrschaft und führte wichtige Reformen der Staatsverwaltung, des Gerichtssystems, der Armee und der Kirche durch.
Bald nach dem Tode Iwans des Schrecklichen geriet das Land in eine Krise, die mit der Frage der Thronfolge zusammenhing. Das war die sogenannte Zeit der Wirren. Die Lage wurde durch die polnisch-schwedische Intervention verschlimmert. 1612 wurden die Eroberer, denen es gelungen war, Moskau zu besetzen, von der Volkswehr unter der Führung des Bürgers von Nischni Nowgorod Kosma Minin und des Fürsten Dmitri Poscharski aus der Stadt vertrieben. 1613 wählte die Ständeversammlung Michail Fjodorowitsch, den ersten aus der Romanow-Dynastie, die dann drei Jahrhunderte lang regierte, zum neuen Zaren.
Im 17. Jahrhundert dehnte sich das Land in den Kriegen gegen die Rzeczpospolita, Schweden, das Osmanische Reich und das Krimer Chanat weiter aus. 1654 wurde die Ukraine durch einen Beschluss der Perejaslawler Rada wieder mit Russland vereinigt.
Zu einer Wende in der Geschichte Russlands wurden die Jahre der Regierung Peter I., des Großen (1682 - 1725), der die Schlüsselbereiche des nationalen Lebens von Grund auf umgestaltete. Der Zar und Reformer gliederte das Land in Gouvernements auf; gründete das oberste Verfügungsorgan (Senat), Kollegien, die für einzelne Branchen zuständig waren, und anstelle des aufgelösten Patriarchats den für Angelegenheiten der orthodoxen Kirche zuständigen Synod; bestätigte die Rangliste, das heißt das hierarchische System der militärischen, zivilen und höfischen Ränge.
Es wurden Manufakturen, Gießerei- und Grubenbetriebe gegründet; die Artillerie-, die Navigations- und die medizinische Schule, die Marineakademie und dann auch die Akademie der Wissenschaften eröffnet; die Rekrutenpflicht eingeführt, eine reguläre Armee aufgestellt und die Flotte gebaut. Peter I. stellte Russland auf die neue Zeitrechnung um, ließ seine Untertanen deutsche Kleidung und Perücken tragen, schnitt den Bojaren, die sich den Neuerungen widersetzten, höchstpersönlich ihre langen Barte und breiten Mantelärmel ab. Die Hauptstadt wurde durch eine willkürliche Entscheidung nach Sankt Petersburg, das "Paradies" des Zaren, das im sumpfigen Delta der Newa von gewaltsam dorthin getriebenen Bauern errichtet worden war, verlegt.
Im Ergebnis dieser großangelegten reformerischen Tätigkeit bildete sich in Russland ein starker militärischer Feudalstaat heraus, eine absolute Monarchie. Die Reformen Peters I. brachten dem Lande zwar viel Nützliches und Vernünftiges, bestimmten jedoch für eine lange historische Perspektive die Entwicklung des Landes auf dem Wege der Großmächtigkeit und der Selbstherrschaft.
Eine weitere Festigung der monarchistischen Ordnung erfolgte in der Regierungszeit von Katharina II. (1762- 1796), die durch die Verkündung der Politik des aufgeklärten Absolutismus und zugleich auch durch harte Repressalien gegen Andersdenkende gekennzeichnet war. Die ständischen Privilegien des Adels wurden wesentlich erweitert, der Bauernaufstand unter Führung des Donkosaken Jemeljan Pugatschow grausam unterdrückt.
Die Grenzen Russlands, das 1721 unter Peter I. zum Reich erklärt worden war, wurden im 18. Jahrhundert wesentlich erweitert. Ihm wurden die riesigen Weiten Sibiriens und des Fernen Ostens, das Ischora-Land, Estland, Lettland und ein Teil Litauens (im Baltikum), die am rechten Ufer des Dnepr gelegenen Gebiete der Ukraine und Weißrussland, die Krim und die nördlichen Schwarzmeergebiete (Neurussland) angeschlossen.
In das 19. Jahrhundert trat das Land im Glanz imperialer Größe und mit einer schweren Last von sich verschlimmernden inneren Problemen. Alexander I., Ururenkel Peters I. (er regierte von 1801 bis 1825) tendierte in der ersten Hälfte seiner Herrschaft zu mäßigen liberalen Reformen übertrug aber später die Macht seinem despotischen Favoriten, dem Grafen Araktschejew, der in der Armee eine harte Disziplin einführte und Hunderttausende Bauern in militärische Siedlungen jagte. Der große russische Dichter Alexander Puschkin wurde wegen seinerfreidenkerischen Verse in die Verbannung geschickt.
1812 führte Russland einen der größten und schwersten Kriege seiner Geschichte. Die Truppen des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte hatten das von der Armee und den Einwohnern verlassene Moskau besetzt, waren aber bald darauf durch Kälte und Hunger sowie unter den vernichtenden Schlägen der russischen Truppen gezwungen, Russland unrühmlich zu verlassen. 1814 marschierten russische Soldaten in Paris ein. Der Sieg im Vaterländischen Krieg war dem Mut und der Standhaftigkeit des Volkes, dem Talent und der Weisheit der Feldherren, mit Michail Kutusow an der Spitze, zu verdanken.
1825, in der Zeit der Zwischenherrschaft, die nach dem Tode Alexanders I. angebrochen war, kam es in St. Petersburg zum Dekabristenaufstand, zur ersten bewaffneten revolutionären Erhebung im Lande. Die Teilnehmer des Aufstandes, Offiziere, die mit Ehre und Heldenmut den Vaterländischen Krieg überstanden hatten, forderten die Aufhebung der Leibeigenschaft und die Errichtung einer konstitutionellen Monarchie (oder gar einer Republik). Der neue Zar, Nikolaus I. (er regierte von 1825 bis 1855) warf den Aufstand nieder, ließ seine Führer hinrichten oder nach Sibirien verbannen, bildete danach eine politische Polizei und verfolgte grausam jegliches Freidenkertum.
Die Niederlage Russlands im Krimkrieg (1853 - 1856) gegen die Türkei und dessen Verbündete England, Frankreich und das Königreich Sardinien zeigte mit aller Deutlichkeit die politische Rückständigkeit und wirtschaftliche Machtlosigkeit des leibeigenschaftlichen Russland. Die herangereiften Umgestaltungen konnten nicht mehr aufgeschoben werden.
Zar Alexander II, der Befreier (Regierungszeit: 1855 -1881), hob die Leibeigenschaft auf und führte eine Reihe anderer wichtiger Reformen durch, insbesondere die Semstwo-Reform (die Einführung von wählbaren Organen der örtlichen Selbstverwaltung) und eine Gerichtsreform, reorganisierte Armee und Flotte nach den Grundsätzen der Wehrpflicht aller Stände und demokratisierte das Bildungssystem. Die industrielle Entwicklung erhielt starke Impulse, Fabriken und Eisenbahnen wurden gebaut, die Städte wuchsen.
Der radikal gestimmte Teil der Gesellschaft, vor allem die nicht adlige Intelligenz, hielt die vom Zaren durchgeführten Reformen für unzureichend. Die Bewegung der Volkstümler, die unter den Losungen einer Bauernrevolution und des Sturzes der Selbstherrschaft auftraten, nahm an Kraft zu; die extremsten Gruppierungen in dieser Bewegung beschritten den Weg des politischen Terrors, dem Alexander II. zum Opfer fiel.
Zar Alexander III. (er regierte von 1881 bis 1894), versuchte, die Staatsordnung mit administrativen und polizeilichen Maßnahmen zu stabilisieren. Die von ihm durchgeführten "Gegenreformen" (die Wiederherstellung der Vorzensur, die Aufhebung der Autonomie der Universitäten, die Einführung der bürokratischen Bevormundung der Semstwo- und der städtischen Selbstverwaltung u.a.) vergrößerten lediglich die Kluft und verstärkten die Widersprüche zwischen der Führungsspitze des monarchistischen Regimes und den breiten Gesellschaftsschichten, die mit ihrer Lage unzufrieden waren.
Im 19. Jahrhundert dehnte sich das Territorium Russlands sowohl im Ergebnis der freiwilligen Wahl benachbarter Völker als auch durch gewaltsame Expansion aus. Angeschlossen wurden Transkaukasien, Nordkaukasien, Finnland, Bessarabien (Moldawien), ein Großteil Polens, das Amurgebiet, die Region Primorje und die Insel Sachalin (im Fernen Osten) sowie Mittelasien. Zugleich aber verkaufte die russische Regierung den Vereinigten Staaten für lächerliche sieben Millionen Dollar Alaska, das im 17.-18. Jahrhundert von russischen Forschungsreisenden entdeckt worden war, und mit ihm auch die Aleuten.
Im "Dornenkranz der Revolutionen" kam das 20. Jahrhundert, eine Epoche blutiger Meutereien und zerstörender Kriege, wie sie nicht einmal das an menschliche Tragödien gewohnte leidgeprüfte Russland gekannt hatte.
Der Zusammenbruch der Selbstherrschaft in Russland wurde nicht nur durch die stark zugespitztenstandesmäßigen, wirtschaftlichen und politischen Widersprüche beschleunigt. Ihre Rolle hatten auch die persönlichen Eigenschaften von Zar Nikolaus II. (Regierungszeit: 1894- 1917) gespielt. Es heißt, dass der Zar oft für das Schicksal des Landes wichtigste Entscheidungen unter dem Einfluss des "Hellsehers" und "Heilkundigen" Grigori Rasputin traf. Aber aus den Briefen der Zarin Maria Fjodorowna, Mutter Nikolaus IL, folgt, dass der letzte russische Monarch tatsächlich keinen Ausweg aus der entstandenen gespannten gesellschaftlichen Situation gesehen hatte.
Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde in Russland die sozialdemokratische Partei gegründet (die spätere kommunistische), deren Strategie auf der philosophischen und ökonomischen Lehre von Karl Marx und Friedrich Engels begründet war. Den am radikalsten gestimmten Flügel der Partei (Bolschewiki) übernahm Wladimir Uljanow-Lenin.Die erste russische Revolution brach 1905 aus. Nikolaus II., der sich gezwungen sah, Zugeständnisse zu machen, gab das Manifest über die Anerkennung der Bürgerrechte heraus. In Russland wurde ein Parlament (Staatsduma) gewählt, und es wurden Umgestaltungen im Agrarsektor in Angriff genommen (Stolypinsche Reform). Die Gemüter beruhigten sich jedoch nicht für lange.
1914 trat Russland an der Seite der Entente in den Ersten Weltkrieg ein. Das wirtschaftliche Chaos, die Zerrüttung und die Lebensmittelkrise, die durch den Krieg verursacht worden waren, beschleunigten die revolutionäre Entwicklung. Der dreihundertjährigen Herrschaft der Romanow-Dynastie wurde ein Ende gesetzt. Der Februarrevolution 1917, die viele Hoffnungen auf eine freie und glückliche Zukunft weckte, die jedoch nicht in Erfüllung gingen, folgte die Oktoberrevolution, die Macht wurde von den von Wladimir Lenin und Lew Trotzki geleiteten Bolschewiki ergriffen. Es begann das siebzigjährige kommunistische Experiment. Russland wurde in einen totalitären Staat verwandelt. Das neue Regime, das im Bürgerkrieg (1918 - 1920) einen Sieg über seine politischen Gegner errungen hatte, ging an die Realisierung seiner weitgreifenden Pläne zur grundsätzlichen Umgestaltung der Gesellschaft.
In den Jahren 1917 - 1918 war die Nationalisierung durchgeführt worden: Die Großindustrie, das Transportwesen, der Außenhandel und die Privatbanken gingen in das Eigentum des Staates über. 1921 wurden die radikalen Methoden des "Kriegskommunismus" durch die einigermaßen liberalere "Neue Ökonomische Politik" (NÖP) ersetzt, um die ruinierte Wirtschaft zu beleben. Für diese kurze Periode in der Geschichte des Landes war eine Blüte des Privatunternehmertums und ein wirtschaftlicher Aufschwung kennzeichnend.
1922 war die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken gebildet worden, die von den Bolschewiki zu einem Staat der Diktatur des Proletariats erklärt wurde. Mit der Bildung der UdSSR wurde auf einer neuen politischen und rechtlichen Grundlage die territoriale Einheit des Großteils des einstigen Russischen Reiches wiederhergestellt.
Nach dem Tode Lenins 1924 war Jossif Stalin (Dschugaschwili), einer der grausamsten Tyrannen aller Zeiten und Völker, an das Ruder der Partei und des Staates gekommen. Er hatte seinen politischen Hauptrivalen Trotzki abgedrängt (und ihn später physisch beseitigt) und konzentrierte in seinen Händen allmählich eine absolute, von niemandem und durch nichts kontrollierte Macht.
In den Jahren 1929 - 1936 wurden die Bauern im Zuge der massenhaften Kollektivierung der Landwirtschaft gewaltsam in die Kolchose getrieben. Zugleich wurden energische Anstrengungen zur Industrialisierung des Landes unternommen, in deren Ergebnis ein erhebliches Wirtschaftspotenzial geschaffen wurde. In den Zeiten der ersten Fünfjahrpläne (1929 -1940) nahmen 9 000 staatliche Industriebetriebe die Produktion auf.
Die Errichtung der "gerechtesten Gesellschaftsordnung in der Geschichte" ging mit nie da gewesenen Repressalien einher, denen Millionen absolut unschuldige Bürger ausgesetzt waren. Das kommunistische Regime vernichtete physisch die Mehrheit der revolutionären Kampfgefährten Lenins und die talentiertesten Heerführer der Roten Armee. Immense Opfer trug auch die Intelligenz, auch die "neue", sowjetische; das Kulakentum, das heißt die wohlhabendsten und arbeitsamsten Bauern, wurde "als Klasse liquidiert".
1941 wurde die Sowjetunion vom hitlerfaschistischen Deutschland überfallen: Die UdSSR trat damit in den Zweiten Weltkrieg (den Großen Vaterländischen Krieg) ein. Das stalinsche Regime zeigte sich auf die Abwehr der Aggression unvorbereitet. Die deutschen Armeen eroberten große Gebiete im westlichen Teil des Landes und drangen schon in den ersten Kriegsmonaten bis dicht an Moskau vor. Der Sowjetunion gelang es nur um den Preis zahlreicher Opfer und dank dem Massenheldentum der Menschen bei der Verteidigung ihrer Heimat, den Gang der Ereignisse zu ihren Gunsten zuwenden. Ein grundlegender Umschwung im Vaterländischen Krieg und im weltweiten Konflikt setzte mit der Schlacht im Raum Stalingrad (1942-1943) ein, die mit der Einkesselung und Vernichtung der 330 000 Mann starken dortigen Gruppierung der feindlichen Truppen endete. 1945 nahm die Rote Armee die Hauptstadt des hitlerfaschistischen Deutschlands ein und hisste rote Fahnen auf Reichstag, danach trat sie in den Krieg gegen Japan ein und zerschlug die japanische Kwantungarmee.
Der Sieg kostete die UdSSR immense Opfer: Rund 27 Millionen Menschen waren ums Leben gekommen, viele Hunderte Städte, 70 000 Dörfer und mehr als 30 000 Industriebetriebe zerstört worden.
Von 1939-1945 wurden die Grenzen des Landes erneut nach Westen erweitert. In die Sowjetunion wurden aufgenommen: die nach der Oktoberrevolution von Russland abgefallenen Estland, Lettland und Litauen, die Westukraine, die westlichen Gebiete Weißrusslands (ab 1921 gehörten sie zu Polen), ferner einige Gebiete Finnlands, Bessarabien (ab 1918 gehörte es zu Rumänien), Königsberg (das Zentrum von Ostpreußen, heute Kaliningrad) mit den anliegenden Gebieten. Einige Gebiete wurden auch in Asien erworben: Tuwa in Südsibirien, Südsachalin und die Kurilen im Fernen Osten.
Nach dem Krieg wurde die UdSSR zum politischen Zentrum der sogenannten sozialistischen Staatengemeinschaft, zu der die Länder Osteuropas und Asiens, die sich in der Bahn der kommunistischen Ideologie bewegten, darunter auch China, das über ein gigantisches demographisches Potenzial verfügt, gehörten. Später schloss sich ihnen Kuba an, das als Vorposten des Kommunismus auf der westlichen Halbkugel betrachtet wurde.
"Das sozialistische Weltsystem", in dem Moskau führend war, stellte eine sehr einflussreiche Kraft, einen außerordentlich mächtigen geopolitischen Faktor dar. Zum sozialistischen Lager schlugen sich die "Staaten mit sozialistischer Orientierung" - die Länder der dritten Welt, die dafür als Belohnung moralische, materielle und militärische Unterstützung seitens der UdSSR erhielten.
In militärischer und politischer Hinsicht waren die Sowjetunion und ihre europäischen Satelliten - Bulgarien, die Deutsche Demokratische Republik, Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei, Ungarn und (bis 1962) Albanien - in der Organisation des Warschauer Vertrags (unterzeichnet 1955) und auf wirtschaftlichem Gebiet im Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (gegründet 1949) vereinigt.
1949 hatte die Sowjetunion erfolgreich eine Atombombe erprobt und wurde somit zur Atommacht. 1953 testete die UdSSR als erstes Land in der Welt eine Wasserstoffbombe.
Die Bündnisbeziehungen, die im Zweiten Weltkrieg zwischen der UdSSR und den Westmächten entstanden waren, wurden vom Kalten Krieg, der globalen Konfrontation der beiden antagonistischen Systeme abgelöst. 1962 wäre der Kalte Krieg während der Karibik-Krise, die durch den Versuch, sowjetische Raketen auf Kuba zu stationieren, hervorgerufen worden war, beinahe in einen offenen militärischen Konflikt ausgeartet.
Das Wettrüsten wurde angekurbelt. Diese Periode wurde durch die militärische Einmischung der USA in Korea und Vietnam, den Widerstreit zwischen den Arabern und Israel im Nahen Osten, die sowjetischen militärischen Interventionen in Ungarn (1956), der Tschechoslowakei (1968) und Afghanistan (1979) gekennzeichnet. Eine gewisse Stabilisierung der internationalen Situation brachten gegenseitige Kompromisse, die im Rahmen der Politik der "Entspannung" in den siebziger Jahren erzielt worden waren.
1953, nach Stalins Tod, wurde Nikita Chruschtschow Erster Sekretär der Kommunistischen Partei und Staatsoberhaupt der Sowjetunion. Im Leben des Landes vollzogen sich günstige Veränderungen. Der neue Staatschef entlarvte auf dem 20. und 22. Parteitag der KPdSU den Personenkult Stalins, und die unschuldigen Opfer der Repressalien, die in Lagern saßen, wurden auf freien Fuß gesetzt und rehabilitiert. 1957 kamen Tausende Gäste aus aller Herren Länder zu den Weltfestspielen der Jugend und Studenten nach Moskau. Diese Periode in der Geschichte des Sowjetstaates wurde als "Tauwetter" bezeichnet.
1964 beschuldigte die Nomenklatura-Führungsspitze, Leonid Breschnew voran, Chruschtschow des "Subjektivismus" und "Voluntarismus" und stürzte ihn. Es begann eine lange Periode der "Stagnation". Ihre kennzeichnenden Merkmale waren nicht nur die Flaute im wirtschaftlichen und politischen Bereich, sondern auch die Enttäuschung der Menschen von den früheren Idealen, die ihren Ausdruck entweder in völliger Gleichgültigkeit gegenüber dem Geschehen im Lande oder im inneren Dissidententum fand. Unter der Last der äußeren und inneren Probleme begann das Regime zu verfallen. Michail Gorbatschow, der 1985 an die Macht gekommen war, unternahm den Versuch, mit Hilfe der "Perestroika", das heißt einer Politik der schrittweisen Reformen, dem degradierenden sozialistischen System neues Leben einzuhauchen. In der Wirtschaft bildeten sich die ersten Keime von Privatinitiativen heraus. Mit den Ländern des Westens wurden konstruktive Beziehungen hergestellt. Aus der Verfassung wurde der Leitsatz über "die führende und lenkende Rolle der KPdSU" gestrichen. Die Politik der Inforrnationsoffenheit - der Glasnost - half, die Reformen aktiver durchzuführen. Michail Gorbatschow wurde der erste Präsident der UdSSR.
In dem Maße aber, wie die Politik der Perestroika immer länger auf der Stelle trat, darunter auch durch Verschulden der konservativen Kreise der sowjetischen Gesellschaft, erwarb der hohe Parteifunktionär Boris Jelzin, Anhänger von durchgreifenden Umgestaltungen, immer größere Popularität.
Die Reformen von Gorbatschow riefen beim konservativen Teil des Partei- und Staatsapparats starke Unzufriedenheit hervor. Im August 1991 zettelte eine Gruppe von führenden Staatsmännern einen Putsch (die Schaffung des sogenannten GKTschP) mit dem Ziel an, die alte Ordnung zu restaurieren, in Moskau marschierten Truppen ein. Der versuchte Umsturz scheiterte jedoch. Der Zusammenbruch des Putsches kennzeichnete das Ende der vierundsiebzigjährigen kommunistischen Diktatur.
Im Dezember 1991 nahmen die höchsten Repräsentanten Russlands, der Ukraine und Weißrusslands das sogenannte Abkommen von Beloweschskaja Puschtscha an, laut dem der Vertrag über die Bildung der Sowjetunion annulliert wurde. An ihre Stelle trat die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Nach dem Zerfall der UdSSR im Dezember 1991 trat der Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, zurück, an die Macht kam endgültig die neue Führung mit dem Präsidenten Russlands Boris Jelzin an der Spitze.
Der Kurs auf durchgreifende Umgestaltungen im Wirtschaftsbereich, der von der neuen russischen Führung verkündet worden war, stieß nach wie vor auf den Widerstand der konservativen Kreise, die sich die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Verschlechterung der materiellen Lage, zu der es in den ersten Jahren der Reformen gekommen war, zunutze machten. Im September - Oktober 1993 kam es in Moskau zu massenhaften Unruhen. Gestützt auf seine Anhänger, unterdrückte Boris Jelzin mit Gewalt die versuchte Meuterei und löste den oppositionellen Obersten Sowjet auf. Im Dezember 1993 wurde im Ergebnis eines volksumfassenden Referendums eine neue Verfassung angenommen, die die gesetzgeberische Grundlage der Staatsordnung des neuen Russland schuf. Es wurden die ersten Wahlen in das neue Vertretungsorgan des Landes - die Staatsduma - durchgeführt.
1994 hatte der erste Tschetschenien-Krieg begonnen, der zu einer ernsten Prüfung für das Land wurde. Die Separatisten, die die Macht in Grosny ergriffen hatten, errichteten in der Republik ein kriminelles Regime, das die territoriale Integrität des Landes und die Sicherheit der Bevölkerung Russlands bedrohte. Die russische Führung ließ in die Republik ein Militärkontingent einmarschieren, um dort die Verfassungsordnung wieder herzustellen und die ungesetzlichen bewaffneten Formationen zu liquidieren. Nach zweieinhalb Jahren angespannter Kampfhandlungen schloss Moskau 1996 mit den Machtorganen Tschetscheniens das Kompromiss-Friedensabkommen von Chassawjurt ab.
Im August 1999 begann jedoch die Aggression der tschetschenischen bewaffneten Extremisten gegen Dagestan, die den zweiten Tschetschenien-Krieg einleitete. Zugleich entfalteten sie ihre Terroraktivitäten auch in anderen Regionen Russlands: In Moskau, Bujnaksk und Wolgodonsk sprengten sie Wohnhäuser in die Luft, wobei Hunderte friedliche Menschen ums Leben kamen.
Die Situation im Lande, die sich bis zum Äußersten zugespitzt hatte, erforderte von der Führung entschlossene politische Schritte. Im August 1999 ernannte Boris Jelzin Wladimir Putin zum Regierungsvorsitzenden der Russischen Föderation. Der neue Premier unternahm entschlossene Schritte zur Wiederherstellung der Verfassungsordnung in Norkaukasien, verfolgte einen harten Kurs zur Unterbindung der Aktivitäten der Banditenformationen und der ausländischen Terroristen im Gebiet von Dagestan.
Ende September 1999 wurde Dagestan befreit. Die Antiterroroperation entfaltete sich im Gebiet Tschetscheniens. Heute sind die Kampfhandlungen in Tschetschenien abgeschlossen, es setzte der Prozess einer politischen Regelung in der Republik ein. Seinen Ausgangspunkt bildete das Referendum über die Verfassung, das im März 2003 durchgeführt wurde. Das Referendum demonstrierte das Friedensstreben der Einwohner Tschetscheniens, ihren Wunsch, vollberechtigte Bürger der Russischen Föderation zu sein.
Am 31. Dezember 1999 erklärte Boris Jelzin seinen Rücktritt. Zu seinem Nachfolger und zum interimistischen Präsidenten der Russischen Föderation ernannte er den Premierminister des Landes Wladimir Putin. Am 26. März 2000 fanden die Präsidentschaftswahlen statt, bei denen Wladimir Putin gleich im ersten Wahlgang zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt wurde. Am 14. März 2004 wurde er wiedergewählt.
In den Jahren, die seit der Wahl von Wladimir Putin zum Präsidenten Russlands vergangen sind, hat sich die innenpolitische Situation im Lande merklich stabilisiert, in der Wirtschaft ist die Flaute überwunden worden und hat sich eine stabile Tendenz zur Erhöhung der wirtschaftlichen Hauptkennziffern abgezeichnet. Merklich hat sich die Außenpolitik Russlands, der konsequente Kurs auf eine pragmatische Zusammenarbeit mit anderen Ländern, aktiviert.
Entsprechend erhöht sich auch die internationale Rolle des Landes. In der gesellschaftlichen Meinung des Landes wächst die Zuversicht darin, dass Russland die Schwierigkeiten der Übergangsperiode, ebenso wie immer im Laufe seiner ganzen Geschichte, überwinden und zu einer wirtschaftlich prosperierenden und politisch starken Macht, zum Schlüsselmitglied der internationalen Gemeinschaft wird.