Widerstandskämpfer wurden in Oberösterreich geehrt

11/22/2023 - 23:00

Am Gebäude der Tabakfabrik, in der die verstorbenen Widerstandskämpfer vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs arbeiteten, wurde wieder eine Gedenktafel angebracht. Zuvor befand sie sich an dem abgerissenen Gebäude des Fabrikkomplexes.

Die Kundgebung wurde von der Gesellschaft der Antifaschisten, Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus in Oberösterreich anlässlich des 79. Todestages von Hugo Müller organisiert, der am 23. November 1944 im Partisanenkampf gegen die Nazis fiel.

Die Gedenktafel erinnert an fünf kommunistische Tabakfabriksarbeiter, die im Kampf gegen den Faschismus und für die Befreiung Österreichs starben. Vier von ihnen - Sepp Teufl, Rudolf Küchberger, Heinrich Obermayr und Anton Schmelensky - gehörten zur so genannten "Welser Gruppe" und wurden im September 1944 im Zuge einer Verhaftungswelle der Gestapo verhaftet: 158 Mitglieder des Widerstands wurden inhaftiert und im Konzentrationslager Mauthausen ermordet; der fünfte, Hugo Müller, kämpfte in der Roten Armee und ist seit 79 Jahren verschollen. Die Familie hat jedoch keine Dokumente über die letzten Lebens- und Sterbewochen von Hugo Müller. Das Russische Kulturinstitut in Wien und das Forschungszentrum „Pamjat“ arbeiten unter Mitwirkung der Russischen Militärhistorischen Gesellschaft daran, diese Dokumente in russischen Archiven zu finden.

Bei der Gedenkkundgebung begrüßte Landesvorsitzender Harald Grünn Peter Müller, den Sohn Hugo Müllers und seine Familie, den Leiter der Kulturabteilung Nikolai Agejev als Vertreter der Botschaft der Russischen Föderation und weitere Teilnehmer der Kundgebung. Weiters sprachen die Linzer KPÖ-Gemeinderatsabgeordneten Gerlinde Grünn und Michael Schmida, Vertreter der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer Oberösterreichs, der Partei der Arbeit, der Jugendfront und der "Roten Fahne" Grußworte. Musikalisch begleitet wurde die Gedenkkundgebung von Gigs Buchinger.

Der Historiker Florian Schwanninger, der die Biographie von Hugo Müller verfasst hat, erinnerte in seiner Rede an das Leben und Wirken des Widerstandskämpfers.

Hugo Müller war Tabakfabriksarbeiter, leidenschaftlicher Sportler und Bergsteiger, Mitglied des Republikanischen Schutzbundes und Teilnehmer der Linzer Arbeiterbewegung. Nach den Ereignissen im Februar 1934 war er gezwungen, aus Österreich zu fliehen. Hugo Müller gelangte über die Tschechoslowakei in die Sowjetunion. Neben seiner Arbeit als Drechsler spielte Müller eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Bergsteigerausbildung im Kaukasus.

Ende 1936 ging Hugo Müller zur Verteidigung der Republik nach Spanien und kehrte 1939 mit dem Rang eines Majors nach Moskau zurück. Nach dem Ausbruch des Großen Vaterländischen Krieges kehrte Hugo Müller in die Sowjetunion zurück und kämpfte in der Roten Armee.

Nach einer Kampfausbildung im Hinterland sprang er mit dem Fallschirm über dem heutigen Slowenien ab und infiltrierte als Mitglied der Kampfgruppe Steiermark Österreich, um den Widerstand zu organisieren. Hugo Müller starb am 23. November 1944 in der Südsteiermark im Kampf mit SS-Truppen. Er war einer derjenigen, die zur Befreiung vom Naziregime beitrugen, wie die Moskauer Deklaration von 1943 vom österreichischen Volk gefordert hatte.