Dem Großen Sieg gewidmet.
Die Eröffnung der fotodokumentarischen Ausstellung „Die russische orthodoxe Kirche in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges 1941-1945“. Die Ausstellung dauert bis zum 16. Mai. Spielfilm „Der Pope“. Regie: W. Chotinenko. Darsteller: S. Makowetzki, N. Ussatowa, К. Pletnew u.a. Russland, 2009. 124 Min. Mit den englischen Untertiteln. Eintritt frei. Bei der Eröffnung wurde auch der Film „Der Priester“ gezeigt, der das Lebensschicksal eines orthodoxen Geistlichen in den Jahren 1941-1944 im Gebiet von Pskow zeigt Wien, 06.05.16 (poi) Eine fotodokumentarische Ausstellung über die dramatische Geschichte der russisch-orthodoxen Kirche während des Zweiten Weltkriegs 1941-1945 wird derzeit (bis 16. Mai) im Russischen Kulturinstitut am Wiener Brahmsplatz gezeigt. Die Ausstellung ist, wie die Leiterin des Kulturinstituts, Tatjana Mischukowskaja, bei der Eröffnung sagte, im Zusammenhang mit dem Gedenken an den Siegestag (9. Mai) zu sehen. Der Wiener russisch-orthodoxe Priester Wjatscheslaw Schibanow erläuterte die Fotos, die ergreifende Ausschnitte aus dem Leben und Ringen der orthodoxen Kirche zwischen der Unterdrückung durch den Stalinismus und dem Vernichtungswillen der deutschen Nationalsozialisten zeigen. In der Ausstellung kommt Metropolit Sergej (Stragorodskij; 1867-1944) ins Bild. Er war seit 1927 „Locum tenens“ des Moskauer Patriarchats. Am 22. Juni 1941, dem Tag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion, rief er die Gläubigen auf, sich an der Verteidigung des Vaterlandes zu beteiligen. 1943 konnte der Metropolit in Verhandlungen mit Stalin wesentliche Erleichterungen für die in der Zwischenkriegszeit von der kommunistischen Macht erbarmungslos verfolgte Kirche erreichen. Metropolit Sergij wurde am 8. September 1943 einstimmig zum Patriarchen von Moskau und ganz Russland gewählt. Sein bereits bestehendes Führungsamt konnte er somit offiziell als Patriarch bis zu seinem Tod im Jahr 1944 ausüben. In den Bildern ist aber auch zu sehen, wie etwa die Bewohner des belagerten St. Petersburg (damals Leningrad genannt) in den Gotteshäusern Trost und seelische Unterstützung fanden, als die deutsche Wehrmacht mit allen Mitteln verhindern wollte, dass in der Newa-Metropole Ostern gefeiert würde. Aber die Leningrader ersetzten den traditionellen üppigen russischen Osterkuchen Kulitsch mit winzigen Brotstückchen. In der Ausstellung sind u.a. auch Bilder von P. Kyrill Pawlow zu sehen, der als junger Soldat in Stalingrad kämpfte, dann in Österreich eingesetzt war und 1946 ins Seminar eintrat. Er wurde später der Beichtvater von Patriarch Aleksij. Im Anschluss an die Eröffnung der Ausstellung wurde der 2009/2010 gedrehte Film „Der Priester“ (Regie: Wladimir Khotinenko) gezeigt. Der Film zeichnet das Schicksal des Priesters Aleksij Ionow nach. Er gehörte zu den Priestern, die im Rahmen der „Pskower Orthodoxen Mission“ an den Bestrebungen zum Wiederaufbau des kirchlichen Lebens in den von NS-Deutschland besetzten Eparchien Pskow, Nowgorod, St. Petersburg 1941 bis 1944 beteiligt waren. Initiator der Mission war Metropolit Sergij (Woskresenskij) von Wilna, der über gute Kontakte zu den deutschen Besatzern verfügte. Metropolit Sergij achtete zugleich sorgfältig darauf, die kanonischen Beziehungen zum Moskauer Patriarchat nicht abzubrechen, am 28. April 1944 wurde er von der Gestapo ermordet, als er im Auto von Wilna nach Riga unterwegs war. Während des „großen Terrors“ der Stalinzeit (1937/38) war auch im nordwestlichen Russland (in den Eparchien Pskow, Nowgorod, St. Petersburg) die kirchliche Struktur zerschlagen worden, viele Priester wurden ermordet, unzählige Gotteshäuser entweiht. 1940 wurden die drei baltischen Republiken der Sowjetunion inkorporiert, dort hatte die russisch-orthodoxe Kirche in der Zwischenkriegszeit – wenngleich behelligt von den örtlichen Nationalisten – in Freiheit überleben können. 1941 wurde ein russisch-orthodoxes Exarchat für das Baltikum gebildet, Metropolit Sergij (Woskresenskij) von Wilna wurde zum Exarchen ernannt. Dem Exarchen gelang es, im August 1941 von den deutschen Besatzungsbehörden die Genehmigung für den Aufbau der „Pskower Orthodoxen Mission“ zu erringen, um das „von der Sowjetmacht zerstörte kirchliche Leben wieder aufzubauen“. Am 18. August 1941 kamen die ersten 14 Priester in Pskow an, unter ihnen Aleksij Ionow, der u.a. in Paris studiert hatte. 1942 waren im Gebiet der „Pskower Mission“ 84 Priester im Einsatz, die für 221 Pfarren zuständig waren. Dementsprechend waren die Priester ständig unterwegs, Ionow schilderte in seinen Lebenserinnerungen, wie er an manchen Sonntagen 80 Kinder zu taufen und 500 bis 800 Beichten zu hören hatte. Die Priester nahmen sich auch um die sowjetischen Kriegsgefangenen an, die von den deutschen Besatzern in den Lagern nur Hungerrationen bekamen. Im Film wurde die Mission Ionows auf einen kleinen Ort konzentriert. In eindrucksvollen Sequenzen wird seine schwierige Situation zwischen den grausamen deutschen Besatzern (samt einem orthodoxen baltischen Offizier, der zu Hitler übergelaufen war), den Partisanen, der Sorge um verfolgte jüdische Kinder und hilflose Waisen aus St. Petersburg gezeigt. Die Geschichte der „Pskower Orthodoxen Mission“ wurde in Sowjetzeiten weitgehend ausgeblendet oder als „Kollaboration mit dem Feind“ abgewertet. In der Emigration wurde die Mission dagegen als Versuch gesehen, in den besetzten Gebieten wieder „normales Leben“ jenseits der Ingerenz von Nationalsozialisten oder Kommunisten aufzubauen. (ende) ___________________________ Erich Leitenberger Pressesprecher Stiftung PRO ORIENTE

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