Dmitrij Mamin-Sibirjak. Der 170-jähriger Geburtstag

11/06/2022 - 13:15

Dmitrij Mamin-Sibirjak gehört zu den russischen Prosaschriftstellern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die sich nach Veränderungen in der Gesellschaft sehnten: nicht nach Revolutionen und grundlegenden Wirtschaftsreformen, sondern nach Veränderungen in den Beziehungen zwischen den Menschen. Die wichtigsten Untugenden des sozialen Miteinanders - Schimpfen, Prügeln, Demütigung der Schwachen - hat er nicht nur beobachtet, sondern selbst erlebt. Und er wünschte sich sehnlichst, dass seine Landsleute so etwas nie gesehen hätten.

Am 6. November feierte man den 170. Geburtstag des Schriftstellers Dmitri Narkisowitsch Mamin-Sibirjak. Sein Werk kommt zu uns in den Kindsjahren. "Der graue Hals" und "Aljonuschkas Erzählungen" sind zeitlos.

Generation um Generation russischer Kinder werden von der Leichtigkeit der Sprache, der subtilen Übertragung der Herzensregungen angezogen, mit denen Mamin-Sibirjak Tierfiguren ausstattete (nicht ohne Grund wollte er sie einmal ärztlich behandeln). Wenn der Geschichtenerzähler einem Kind vom Schicksal eines Tieres oder eines Insekts erzählt, fördert er indirekt nicht nur das Mitleid, sondern auch das Gefühl für die ursprüngliche Gleichheit aller Lebewesen mit dem Menschen. Und dies wurde zu einer Zeit verkündet, als es noch keine Gleichheit unter den Menschen gab!

1883 hatte Mamin-Sibirjak (der doppelte Nachname tauchte 1882 auf) seinen Roman „Die Privalovschen Millionen“ fertiggestellt, der bis heute sein berühmtestes Werk ist. Der Autor war der erste in der russischen Literatur, dem es gelang, das damals für Russland neue Phänomen - die Entwicklung des Kapitalismus - künstlerisch zu interpretieren. Und das tat er auf dem ihm wohlbekannten Material: der Schriftsteller wurde in das Leben der Jekaterinburg Gesellschaft eingetaucht, er sah mit seinen eigenen Augen, wie es zu einer großen Anhäufung von Reichtümern kam, wie die Menschen um des Geldes willen voneinander lossagten, wie sie sämtliche moralische Normen verletzten.

"Die Privalovschen Millionen" wurde ein ganzes Jahr lang in der Petersburger Zeitschrift "Delo" veröffentlicht, was das Interesse der Öffentlichkeit zusätzlich weckte. Einzelne Ausgaben wurden in hohen Auflagen verkauft und machten den Autor zu einem wohlhabenden Mann.

Der Roman "Die Privalovschen Millionen" wird immer wieder neu aufgelegt, und 1972 wurde ein Film auf der Grundlage des Romans gedreht.