Ehrung sowjetischer Kriegsgefangener in Mauthausen
Die Kranz- und Blumenniederlegung fand anlässlich des 79. Jahrestages der Flucht sowjetischer Offiziere aus Block 20 des Konzentrationslagers Mauthausen statt.
Blumen und Kränze wurden von einer internationalen Gruppe russischsprachiger Landsleute und Vertretern anderer Länder, Mitarbeitern der russischen diplomatischen Vertretung, des Russischen Hauses in Wien, Mitgliedern des Forschungszentrums "Memory", des Bundes der Antifaschisten, Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus von Oberösterreich an der Gedenktafel niedergelegt. Auch ein Kranz der Österreichischen Freundschaftsgesellschaft wurde überreicht.
Die Teilnehmer der Zeremonie installierten in der Halle des Gedenkens im ehemaligen Krematorium von Mauthausen auch ein Foto eines der Häftlinge des Todesblocks, Stepan Gorbunow, der im April 1944 unter unmenschlichen Bedingungen im Konzentrationslager starb. Seine Familie, die in der Altai-Region lebt, hat erst vor kurzem von dem tragischen Schicksal ihres Angehörigen erfahren.
Zum Abschluss des Besuchs in der Gedenkstätte Mauthausen kam es zu einer rührenden Begegnung mit der jüngsten Tochter der Familie Lagthaller, die zwei Geflüchtete gerettet hat: Die 93-jährige Anna Hackl war zu einem Treffen mit österreichischen Schülern in der Gedenkstätte. Sie erhielt herzliche Worte des Dankes und Blumen von den Teilnehmern der Reise.
Die beispiellose Flucht aus Block 20 des Konzentrationslagers Mauthausen fand in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar 1945 statt. Mehr als 500 sowjetische Häftlinge des Todesblocks nahmen daran teil. Verschiedenen Quellen zufolge gelang zwischen acht und 19 Häftlingen die Flucht.
Mindestens drei von ihnen überlebten dank der Hilfe von Anwohnern, die der Forderung der Nazis, alle geflohenen Häftlinge zu vernichten, nicht nachkamen.
Die Familie Langthaler rettete Michail Rybtschinski und Nikolaj Cemkalo. Drei weitere Häftlinge fanden eine Zeit lang bei der Familie Mascherbauer Unterschlupf und Verpflegung, zwei von ihnen starben dann. Doch im Gegensatz zur Geschichte der Familie Langthaler ist das Schicksal des Überlebenden "Simon/Semen Schakov/Schachov" nur von einer Seite her bekannt - aus der Erzählung der Familie Mascherbauer. Da das Thema der "Mühlviertel-Hasenjagd", wie die Nazis die Aktion zur Ergreifung der Flüchtlinge zynisch nannten, viele Jahre lang tabu war, erzählte erst 1973 eine Bauernfamilie die Rettungsgeschichte des Häftlings, doch das mündliche Zeugnis ist in keiner Weise dokumentiert.
Hans Marschalek, ein österreichischer Forscher derr Geschichte von Mauthausen, der die Schrecken dieses Konzentrationslagers selbst miterlebt hat, erinnerte sich 1961 daran, dass nach Angaben der SS siebzehn oder achtzehn K-Häftlinge, die aus Block 20 entkommen waren, nie gefunden wurden. In seinem Buch schreibt er, es seien siebzehn oder neunzehn gewesen. Marschalek behauptete, dass die SS-Leute selbst nicht genau wussten, wie viele Häftlinge sich zum Zeitpunkt der Flucht in Block 20 befanden.
Die Geschichten des Blocks 20, aktuelle Forschungen zu diesem Thema, Museen für Helden des Blocks 20 und ein Häftling, der vor dem Februaraufstand starb, sind Thema einer offenen Konferenz "Block 20", die morgen, am 1. Februar, im Russischen Haus in Wien stattfindet.

Tel.: 01 / 505 18 29















