Heute wurde auf Schloss Hartheim eine Gedenktafel für gefallene Sowjetbürger enthüllt

12/05/2022 - 20:15

Schloss Hartheim in der Nähe der österreichischen Stadt Linz ist dafür bekannt, dass dort während der Zeit des Nationalsozialismus mehr als 30.000 Bürgerinnen und Bürger verschiedener Nationalitäten, Altersgruppen und Religionen ermordet wurden. Unter ihnen befanden sich mindestens 753 sowjetische Staatsbürger: Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen, seiner Außenlager, aus Dachau und zur Zwangsarbeit verschleppte Personen aus dem sowjetischen Gebiet.

Im Frühjahr 1940 wurde beschlossen, das nach dem "Anschluss" Österreichs von den Nationalsozialisten besetzte Haus Hartheim für psychisch kranke Kinder in eine Einrichtung zur Zwangseuthanasie für Patienten in Spezialkliniken umzuwandeln. Diese Entscheidung beruhte auf den pseudowissenschaftlichen Lehren der Rassenhygiene und Eugenik. Die nationalsozialistische Euthanasie - die Vernichtung geistig und körperlich behinderter Menschen - war somit der erste systematisch geplante und staatlich durchgeführte Massenmord des NS-Regimes.

Die Aktion zur Vergasung psychisch kranker und körperlich behinderter Bewohner wurde "T4" genannt. Sie verschlüsselte die Adresse des Hauptsitzes der Organisation in Berlin - Tiergartenstraße 4.

Nach aktivem Widerstand, vor allem seitens der Geistlichen, wurde das T4-Programm gestoppt. Parallel zu diesem Programm lief jedoch bis Dezember 1944 das Programm 14fl3, in dessen Rahmen Ostarbeiter und KZ-Häftlinge verschiedener Nationalitäten, die als "krank" oder "lebensunwert" eingestuft wurden, vernichtet wurden, darunter auch Häftlinge, die dem NS-Regime missfielen.

Unter den in Hartheim Ermordeten befanden sich Menschen aus den meisten Sowjetrepubliken. Jetzt kennen Historiker die Namen von 753 sowjetischen Bürgern, die in Hartheim zu Tode gefoltert wurden. Im vergangenen Oktober wurde die Todesfabrik Hartheim bei RKI in Wien im Rahmen des traditionellen Abends "Adressen unserer Erinnerungen" ausführlich diskutiert. Damals sicherte das RKI dem Leiter der Gedenkstätte Hartheim, Florian Schwanninger, zu, dass eine Gedenktafel für die sowjetischen Bürger angebracht werden würde. Heute wurde es von Botschaftern und Vertretern der russischen und der GUS-Botschaften in Österreich, des Russischen Kulturinstituts sowie der Ständigen Vertretung Russlands bei internationalen Organisationen enthüllt.

Die Diplomaten legten auch Kränze und Blumen an der Mauer des Gedenkens und am Sarkophag nieder, der die Asche und die menschlichen Überreste der letzten Opfer Hartheims enthält.

Sowohl die Mitarbeiter der Bildungs- und Gedenkstätte Hartheim als auch das Forschungszentrum „Pamjat“ arbeiten weiter an der Klärung der Schicksale der Opfer. In Zukunft wird es eine Publikation über die Schicksale der in Hartheim verstorbenen Sowjetbürger geben. Bisher kennen die Historiker die Daten eines Kasachen und dreier Russen; bisher unbekannte Dokumente aus den Archiven Russlands, Israels, Österreichs, Frankreichs und der USA ergänzen die Informationen über 253 in der Burg ermordeten Sowjetbürger.