Heute wurde in Österreich das Gedenken an die aus dem Todesblock des Konzentrationslagers Mauthausen Geflüchteten gewürdigt
Vor achtzig Jahren, in der Nacht des 2. Februar, gelang mehr als 500 Häftlingen des Todesblocks, die meisten von ihnen sowjetische Offiziere, eine beispiellose Flucht aus dem KZ Mauthausen.
Die Flucht wurde von hohen Offizieren sorgfältig geplant. Einige von ihnen wurden hingerichtet, bevor der Plan umgesetzt werden konnte. Verschiedenen Quellen zufolge gelang es zwischen acht und 19 der Geflüchteten zu entkommen.
Heute nahmen zum ersten Mal seit vielen Jahren Angehörige der Todesblockhäftlinge an der Gedenkfeier teil.
Gudrun Bloberger, Leiterin der pädagogischen Programme der Gedenkstätte Mauthausen, führte die Gruppe von Landsleuten in die virtuelle Halle der Namen von Mauthausen ein, überreichte den Angehörigen der Opfer die Mauthausen-Gedenkbücher mit den Namen ihrer Verwandten und Auszügen aus den Archiven der Gedenkstätte, in denen die Schicksale der Häftlinge beschrieben werden.
Unterleutnant Tichon Negirisch wurde vom Gefängnis in Regensburg in den Block 20 verlegt und wenige Tage später, am 18. Mai 1944, gehängt. Seine Enkelin Olga Stachurskaja hat in Mauthausen zum ersten Mal das Andenken ihres Großvaters geehrt. "Ich habe den Willen seiner Tochter erfüllt, die in Omsk lebt, ich habe den Willen aller meiner Familienmitglieder erfüllt. In unseren Familien wird die Erinnerung an ihn immer lebendig sein", so Olga.
Wie wir aus den Erinnerungen der Überlebenden des Ausbruchs wissen, drangen am Abend des 26. oder 27. Januar 1945 Wachleute in den Todesblock ein und nahmen 15-25 Häftlinge mit, die nicht mehr in die Kaserne zurückkehrten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es sich dabei um die Organisatoren der Flucht handelte. Unter ihnen befand sich der Oberst der Garde, der Held der Sowjetunion Anatoli Koblikow. Heute befindet sich in der Halle des Gedenkens in der Nähe des Krematoriumsofens ein Foto des hingerichteten Piloten, das von seiner Großnichte Elena Chalevinskaja, der Großnichte des Helden, aufgestellt wurde.
Die Angehörigen der anderen Häftlinge, die die Flucht nicht überlebt haben, konnten die Zeremonie in Block 20 live mitverfolgen.
Die Teilnehmer der Gedenkfeier besuchten heute Schwertberg, ein kleines Dorf, das einerseits als Ort der Hinrichtung der sieben Häftlinge und andererseits als der Ort bekannt ist, an dem die drei Ausbrecher gerettet wurden. Dort wurde im vergangenen November ein renoviertes Denkmal für die Opfer enthüllt.
An der Zeremonie in der Gedenkstätte Mauthausen" in der Nähe des erhaltenen Fundaments des Todesblocks nahmen Landsleute, Vertreter der Russischen Botschaft in Österreich, der Ständigen Vertretungen beim Verteidigungsministerium und bei der OSZE, des RKI in Wien, der St. Nikolaus Kathedrale in Wien, Mitglieder der Gesellschaft der Antifaschisten, des Widerstands und der Opfer des Faschismus des Landes Oberösterreich und des Forschungszentrums „Memory" teil. Auch ein Kranz der Russisch-Österreichischen Freundschaftsgesellschaft wurde an der Gedenktafel niedergelegt.
In Ried in der Riedmark trafen sich die Aktivisten mit Vertretern mehrerer Bürgerinitiativen und Anna Hackl, der jüngsten Tochter der Familie Langthaler, die direkt an der Rettung von Michail Rybtschynski und Nikolaj Zemkalo beteiligt war. "Lassen Sie mich Ihnen und Ihrer Familie die große Dankbarkeit von uns allen aussprechen. Wir bewundern Ihre Heldentat, Ihren Mut. Es ist uns eine große Ehre, Ihnen persönlich die Worte unserer Dankbarkeit und Bewunderung zu übermitteln", sagte Elena Chalevinskaja an Anna Hakl gerichtet.
Die Nichtregierungsorganisation "Perspektive für Mauthausen" organisierte eine Wanderung von Block 20 nach Ried entlang einer symbolischen Route, die von einigen der entkommenen Häftlinge benutzt wurde.
Die Teilnehmer des Treffens legten Blumen und Kränze an einem Denkmal nieder, das darauf hinweist, dass die Überreste der in der Nachbarschaft getöteten Häftlinge hier in der Nähe der Schule gesammelt wurden.
Morgen, am 3. Februar, findet im Russischen Kulturinstitut in Wien ein Gedenkabend zum 80. Jahrestag der legendären Flucht statt.
Die Gäste des Abends können an der Eröffnung der Ausstellung "In Memoriam Mauthausen" teilnehmen, in der Werke von zwei österreichischen Künstlern Stefan Hilge und Alfred Hrdlicka gezeigt werden. Autor der Idee und Kurator der Ausstellung ist Professor Wolfgang Johannes Bandion, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft des Konzentrationslagers Mauthausen, Teilnehmer an Programmen der Russischen Gesellschaft ehemaliger Mauthausen-Häftlinge und Besitzer einer einzigartigen Sammlung österreichischer Grafiken.
Der Gedenkabend wird fortgesetzt durch die Erzählungen von Angehörigen der Toten und überlebenden Gefangenen des Blocks 20 sowie durch die Präsentation der Zwischenergebnisse des studentischen Forschungsprojekts " Soldaten-Obelisken " des Moskauer Luftfahrtinstituts.

Tel.: 01 / 505 18 29















