Lesung „Aus erster Hand“: Erinnerung, durchlebt und bewahrt

03/23/2026 - 20:30

Am 23. März fanden im Russischen Kulturinstitut die traditionellen Lesungen „Aus erster Hand“ statt, die dem 110. Geburtstag von Alexander Michejenkov gewidmet waren – dem Autor des Buches „85 Tage im Todesblock“, einem Mann, der die Schrecken eines nationalsozialistischen Konzentrationslagers durchlebte und zu einem der wenigen Überlebenden der Flucht aus Block 20 wurde.

Die Veranstaltung war der aktiven Erinnerung der Menschen gewidmet – einem Zeugnis, das keine Fiktion zulässt. Michejenkovs Buch ist ein Dokument seiner Zeit, in dem die Ereignisse im Konzentrationslager Mauthausen – einem der grausamsten Lager des nationalsozialistischen Systems – mit erschreckender Offenheit beschrieben werden. Einen besonderen Platz in der Erzählung nimmt der sogenannte „Todesblock“ ein, in dem vorwiegend sowjetische Kriegsgefangene untergebracht waren, die dem Tod geweiht waren.

Die Teilnehmer der Lesung hörten Auszüge aus dem Buch, die durch ihre emotionale Kraft und Authentizität beeindrucken. In diesen Zeilen kommen Angst, Verzweiflung, Kampf und die unglaubliche Seelenstärke von Menschen zum Ausdruck, die unter unmenschlichen Bedingungen lebten. Die Geschichten über den Aufstand und die Massenflucht von mehr als fünfhundert Gefangenen standen im Mittelpunkt des Abends – eine der dramatischsten und zugleich heroischsten Episoden des Zweiten Weltkriegs.

Im Rahmen des Abends wurden zudem einzigartige Materialien präsentiert: unveröffentlichte Texte von Alexander Michejenkov, Artikel aus der regionalen Presse und seltene Fotos aus dem Familienarchiv. Diese Zeugnisse ermöglichten es den Gästen, die persönliche Geschichte des Autors noch tiefer nachzuempfinden – nicht nur als Gefangener, sondern auch als Mensch, der seinen Mut und seinen Willen, die Wahrheit zu erzählen, bewahrt hatte.

Die Lesung „Aus erster Hand“ hat erneut ihre Bedeutung als Plattform für einen lebendigen Dialog mit der Geschichte unter Beweis gestellt. Solche Begegnungen bewahren nicht nur die Erinnerung an die tragischen Kapitel der Vergangenheit, sondern erinnern auch an den Wert des menschlichen Lebens, der Würde und der Freiheit.