Zum Tag des Gedenkens an die russischen, im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten
Mitarbeiter des Russischen Kulturinstituts in Wien legten Blumen an einem Kriegsgrab in Wiener Neustadt nieder und übergaben Briefe eines Kriegsgefangenen der österreichisch-ungarischen Armee an das Niederösterreichische Landesarchiv. Die Feierlichkeiten fielen zeitlich mit dem Gedenktag für die im Ersten Weltkrieg (1914-1918) gefallenen russischen Soldaten zusammen, der in Russland am 1. August begangen wird.
Während des Ersten Weltkriegs führte die russische Armee praktisch keine militärischen Operationen tief im österreichisch-ungarischen Reich durch; daher ist das Auftauchen russischer Soldatengräber auf dem Gebiet des heutigen Österreichs in erster Linie mit dem Faktor der Kriegsgefangenschaft verbunden.
Nach damaliger militärischer Tradition begruben die Österreicher russische Kriegsgefangene mit allen Ehren und in der Regel in Einzelgräbern mit dem Namen des Verstorbenen.
Um den Geist der Kriegsgräber aus dem Ersten Weltkrieg zu bewahren, wurde nach Kriegsende beschlossen, sie zu restaurieren, ohne das Aussehen der Gräber zu verändern oder die Gräber zusammenzulegen. Insgesamt gibt es nun 46 russische Soldatengräber aus dem Ersten Weltkrieg in Österreich, die meisten davon in Nieder- und Oberösterreich.
Nach Kriegsende übernahm das österreichische Kriegsministerium, das bald darauf aufgelöst wurde, die sehr anspruchsvolle Aufgabe der Kriegsgräberfürsorge. Im Jahr 1923 übernahmen das Bundeskanzleramt und das Bundesministerium des Innern die Aufgabe der Kriegsgräberfürsorge, die sie bis heute innehat.
Die Pflege von Kriegsgräbern des Ersten Weltkrieges in Österreich ist einerseits durch den Staatsvertrag von St. Germain-en-Laye vom 10. September 1919 und andererseits durch die Bundesgesetze "Kriegsgräber des Ersten und Zweiten Weltkrieges" von 1948 und den Staatsvertrag von 1955 geregelt.
Der Erste Weltkrieg spielt in den Gedenkstätten vieler Länder, darunter auch Russland und Österreich, eine wichtige Rolle. Denn einerseits ist der Erste Weltkrieg als Schlacht eines neuen historischen Typs mit einer noch nie dagewesenen geografischen Ausdehnung im Gedächtnis der Menschen geblieben, andererseits eröffnete er eine neue Ära der Weltgeschichte und leitete einen globalen geopolitischen Wandel ein. Im Jahr 2014 veröffentlichte Österreich das Gedenkbuch für die russischen Soldaten des Ersten Weltkriegs, die in Österreich gefallen und begraben sind. Die Publikation findet man in der Bibliothek des Russischen Kulturinstituts in Wien.
Ein weiteres wichtiges Ereignis in den russisch-österreichischen Beziehungen war die Übergabe von Briefen des österreichischen Kriegsgefangenen Anton Dumas an das Archiv des Landes Niederösterreich. Die handschriftliche Korrespondenz des gebürtigen Föderalisten, der in einem Kriegsgefangenenlager in Sibirien war, wurde dem RKI letztes Jahr von der Organisation "Pamjat" mit der Bitte übergeben, sie an die österreichischen Historiker weiterzuleiten. Die Dokumente wurden nun im Archiv mit den Daten des Spenders katalogisiert und stehen Forschern zur Geschichte des Ersten Weltkriegs zur Verfügung.

Tel.: 01 / 505 18 29


















