Landsleute ehrten die Opfer von Schloss Hartheim

08/15/2024 - 23:45

Ein mobiler Vortrag über die im Schloss begangenen NS-Verbrechen sowie ein Besuch der Gedenkstätte, die Niederlegung von Blumen am Sarkophag mit der Asche der Opfer und die Besichtigung der Dauerausstellung „Der Wert des Lebens“ fand im Rahmen des Geschichtsklubs des RKI in Wien unter Beteiligung des Forschungszentrums „Memory“ und mit Unterstützung der Russischen Botschaft in Österreich statt. Die Gastvorträge des Geschichtsklubs sind zur Tradition geworden. Landsleute, die sich für die österreichisch-sowjetische Geschichte interessieren, haben bereits die Gedenkstätte Ebensee besucht. Die Fahrt zur Bildungs- und Gedenkstätte „Hartheim“ wird vom RKI gemeinsam mit dem IZ „Memory“ zum zweiten Mal organisiert. Heuer nahmen 30 Personen daran teil.

Nach der Machtergreifung versuchten die Nationalsozialisten, die deutsche Bevölkerung schrittweise mit der Idee der Vernichtung „unproduktiven Lebens“ vertraut zu machen. In Publikationen, im Rundfunk, in Filmen und Vorträgen wurde zwanghaft die Frage aufgeworfen, ob es sinnvoll sei, das Leben unheilbar psychisch kranker Menschen, die im Arbeitsprozess nicht zu gebrauchen seien und deren Betreuung oft nur hohe Kosten verursache, zu unterstützen, so dass es besser sei, sie aus ihrem Elend zu befreien.

Im Frühjahr 1940 wurde beschlossen, das nach dem „Anschluss“ Österreichs von den Nationalsozialisten besetzte Heim für geisteskranke Kinder in Hartheim in eine Einrichtung zur „Zwangseuthanasie“ für Patienten in Spezialkliniken umzuwandeln. Diese Entscheidung beruhte auf den pseudowissenschaftlichen Lehren der Rassenhygiene und Eugenik. Damit wurde die NS-Euthanasie - die Vernichtung geistig und körperlich behinderter Menschen - zum ersten systematisch geplanten, staatlich geförderten Massenmord des NS-Regimes.

Die Aktion zur Vernichtung psychisch kranker und körperlich behinderter Einwohner des Landes in Gaskammern wurde „T4“ genannt. Sie verschlüsselte die Adresse des Hauptsitzes der Organisation in Berlin - Tiergartenstraße 4. Nach aktivem Widerstand, vor allem seitens des Klerus, wurde das T4-Programm zwar formell gestoppt, aber nicht beendet. Parallel dazu lief jedoch bis Dezember 1944 das Programm 14fl3, in dessen Rahmen als „krank“ oder „lebensunwert“ eingestufte Ostarbeiter und KZ-Häftlinge verschiedener Nationalitäten, darunter auch für das NS-Regime unerwünschte Häftlinge, vernichtet werden sollten. Unter den sowjetischen Bürgern, die in Hartheim ermordet wurden, waren Angehörige der meisten Republiken der UdSSR. Heute kennen Historiker die Namen von 753 sowjetischen Bürgern, die im Schloss zu Tode gefoltert wurden.

Im Dezember 2022 wurde eine Gedenktafel zur Erinnerung an die in Hartheim ermordeten sowjetischen Bürgerinnen und Bürger angebracht. Die Arbeiten zur Klärung der Schicksale der Opfer werden sowohl von den Mitarbeitern der Lehr- und Gedenkstätte Hartheim als auch von dem Forschungszentrum „Memory“ fortgesetzt. In Zukunft wird es eine Publikation über die Schicksale der in Hartheim umgekommenen UdSSR-Bürger geben. Bislang sind den Historikern die Lebensdaten eines Kasachen und dreier Russen bekannt; bisher unbekannte Dokumente aus den Archiven Russlands, Israels, Österreichs, Frankreichs und der USA ergänzen die Informationen über 253 im Schloss getötete Sowjetbürger.